Klein aber oho! Im Test der Orbsmart AW-10 Windows Mini PC – Nettop auf Basis der aktuellsten Celeron-Architektur (Gemini Lake)

Im Test der Windows 10 Mini-PC „AW-10“ von Orbsmart – Bildnachweis: TestMagazine

 

Gemini Lake Mini PC Orbsmart AW-10 mit der Kraft von vier Kernen

Mini PCs sind preisgünstig, kompakt und energiesparend und je nach Nutzungshintzergrund häufig völlig ausreichend. Mini Computer, die umgangssprachlich zuweilen auch „Nettops“ genannt werden, erfreuen sich zunehmend einer größeren Beliebtheit. Nicht ganz zu unrecht. Wir haben nun mit dem Ormsmart AW-10 eine interessante Neuerscheinung einem ausführlichen Testbericht unterzogen. Der recht günstige Mini-PC ist extrem kompakt, verfügt über keinen störenden Lüfter und kann Monitore bis zu einer Auflösung von 4K ansteuern. Desweiteren verfügt der Mini-PC über einen leicht zugänglichen Schacht zur Aufnahme einer SATA-Festplatte in 2.5″ Zoll. Mini-Rechner sind deutlich kleiner und handlicher als herkömmliche Büro- und Heim-PCs.

Mini PCs

Bei einem Mini PC handelt es sich um ein kompaktes PC-System im praktischen Mini-Format, welches in der Anschaffung günstig aber für die üblichen Office-Aufgaben genügend Performance verfügt, stromsparend arbeitet und sich sehr gut zum Internetsurfen, Recherchieren, Spielen, Arbeiten und für das Abspielen von Film- und Video-Dateien eignet.

 

Lieferumfang

Im blauen Karton befindet sich der PC AW-10 mit externem Netzteil, Handbuch, TV-Halterung sowie HDMI Kabel.

 

  • PC
  • Netzteil (extern 12 V 2A)
  • TV-Halterung
  • 2x HDMI-Kabel
  • Bedienungsanleitung (deutsch)

 

Mini-PC lässt sich hinter einem Display oder TV montieren

Das robuste Gehäuse ist hochwertig verarbeitet. Design, Materialauswahl und Haptik machen grundsätzlich einen positiven Eindruck. Zwar besteht das Gehäuse aus Kunststoff. Dennoch wirkt alles solide und steht rutschfest auf vier Gummifüssen. Alternativ läßt sich der AW-10 von Orbsmart fest hinter dem TV oder Monitor schrauben. Der Hersteller hat hier im Lieferumfang serienmäßig entsprechende Halter beigefügt.

 

Orbsmart AW-10
Unboxing - Bildnachweis: TestMagazine
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Warum Mini-PC?

Der größte Vorteil eines Mini-PCs ist, dass das Gerät durch seine kompakten Abmessungen und sein geringes Gewicht überall platzsparend aufgestellt oder transportiert werden kann. Aufgrund dessen muss ein kleiner PC nicht unbedingt an eine feste Station gebunden sein, sondern kann auch an mehreren Arbeitsplätzen zum Einsatz kommen. Im Vergleich zu handelsüblichen Desktop-PCs haben Mini Computer eine kompakte Formgebung und einen bis zu 90% geringeren Stromverbrauch. Ein bisheriger Nachteil von Mini Computern war, dass sie nur über eine sehr geringe Leistung verfügen und nur vorteilhaft als Zweitcomputer für das Abspielen von HD-Medieninhalten, zum Gaming und für Internet-Anwendungen im Wohn- oder Arbeitszimmer eingesetzt werden konnten. Der AW-10 von Orbsmart wird von einem aktuellen Celeron N4100 (Gemini Lake) mit vier Kernen die kurzfristig bis zu 2,4 Ghz takten können, befeuert.

Damit ein klassisches Windows Betriebssystem betrieben werden kann, genügen typischerweise 2 GB RAM. Der AW-10 stellt der CPU insgesamt 4 GB stromsparenden LPPDDR4 (LP = Low Power) Arbeitsspeicher zur Seite. Die Speicherausstattung trägt maßgeblich zur Performance bei. Auch wenn der Intel UHD Graphics 600 Chip nicht über eigenen VRAM verfügt und daher auf den ohnehin knappen System-Arbeitsspeicher zurückgreift. Der Mini PC verfügt zudem über diverse unterschiedliche Anschlüsse die von Bluetooth 4.0 und Wlan (802.11 a/b/g/n/ac bis 1.200 Mbit/s) ergänzt werden. Das Betriebssystem Windows 10 inkl. Aktivierung läuft schnell und stabil. Updates kommen automatisch. Windows 10 Release-Version 1803 ist bereits vorinstalliert. Initial wird der Nutzer durch die Konfiguration geleitet.

 

 

Anschlüße auf der Rückseite des AW-10 – Bildnachweis: TestMagazine

Quad-Core-SoC Gemini-Lake

Der Orbsmart AW-10 setzt auf die aktuelle Intel Chip-Generation „Gemini-Lake“ und dem leistungsstarken Vierkern-Prozessor Intel Celeron N4100 (@1.10 GHz / Burst freq: 2.40 GHz) mit 4GB DDR4 RAM Arbeitsspeicher plus der Intel HD Grafik 600 Einheit (inkl. H.265/HEVC Support).  Der Intel Celeron N4100 wurde Ende 2017 vorgestellt. Das Quad-Core-SoC wird zwar hauptsächlich in preiswerten Notebooks verbaut, genügt aber bei vielen Anwendungen und Usecases vollkommen aus.  Die Perfomance bietet sogar ausreichend Leistungsreserven selbst für anspruchsvolle Videos, Office-Anwendungen, Webrowsing oder kleinere Spiele und ist auch für moderates Multitasking geeignet. Gefertigt wird der Gemini Lake im 14-Nanometer-Prozesses mit FinFETs. Neben den vier CPU-Kernen verfügt das Chipdesign auch über eine integrierte DirectX-12-fähige Grafikeinheit sowie einen DDR4/LPDDR4-Speichercontroller (Dual-Channel, 2.400 MHz). Der SoC kann nicht ausgetauscht werden, da er direkt mit dem Mainboard verlötet wird (BGA Package). Die „Goldmont+“-Kerne von Gemini Lake verbessern gegenüber der Vorgängergeneration des Apollo Lake die Performance bei gleichbleibenden Takt, wozu auch der größere Cachespeicher beiträgt.

Den AW-10 zeichnet eine passive – will heißen „komplett lüfterlose“ Kühlung aus. Dies ermöglicht einen absolut lautlosen Betrieb. Auch beim Einbau einer SSD. Im Test haben wir eine 2,5 Zoll Festplatte eingebaut, die aber kaum zu vernehmen war. Das robuste Gehäuse des Orbsmart ist hochwertig verarbeitet und die passive und komplett lüfterlose Kühlung ermöglicht einen absolut lautlosen Betrieb.  Die Prozessoren der „Gemini-Lake“-Reihe von Intel weisen eine  geringe Leistungsaufnahme auf. Der gesamte SoC wird von Intel mit einer TDP von 10 Watt spezifiziert (SDP 4,8 Watt – Scenario Design Power). Im Desktobbetrieb ohne Festplatte lagen wir stets deutlich unter 12 Watt. Letztlich hängt die CPU-Leistung und thermisch vertretbare Taktrate des Celeron N4100 mit 4 CPU-Kernen sehr stark von der Kühlleistung ab. Der Stromverbrauch des AW-10 lag im Test selbst unter Voll-Last bei weniger als 20 Watt.

Inbetriebnahme

Die Erstinstallation geht einfach und schnell von der Hand. Das Gerät über das HDMI 2.0 Kabel an den Monitor oder Fernseher angeschlossen, eine Tastatur und Maus angesteckt und optional die Netzwerkverbindung über Ethernetkabel hergestellt. Wir haben unser Gerät im Laufe der Einrichtung mit dem WLAN bekannt gemacht. Das Betriebssystem Windows 10 Home startet schnell und die Einrichtung von Windows inkl. Aktivierung und Updates ist schnell – auch für ungeübte – abgeschlossen. Die Installation ist wirklich für jedermann sehr einfach zu bewerkstelligen. Bereits der rel. aktuelle Windows-10 Patchlevel 1803 ist vorinstalliert, so dass nur wenige Updates folgen.  Als Sprachpakete sind Deutsch und Englisch vorinstalliert. Über die Klappe am Boden läßt sich eine 2.5″ Festplatte oder SSD einbauen. Laut Hersteller bis maximal 9,5mm Bauhöhe (d.h. ganz große Platten passen nicht rein). Dazu müssen mit einem Kreuzschraubenzieher zwei Schrauben gelöst werden. Die Festplatte kann man dann einfach einlegen und in den SATA-Schacht schieben. Das Betriebssystem läßt sich nur von dem internen Speicher booten.

Konnektivität

Der AW-10 ist vorbildlich mit Anschlüsse ausgestattet. WLAN und Bluetooth sind bereits mit an Bord. Das Chipset von Intel unterstützt erstmalig das Gigabit-WLAN über 2×2 802.11ac. Damit überholt das Wlan nach Herstellerangaben (theoretisch) sogar die kabelgebundenen Gigabit-Verbindungen. Im test erweis sich die Wlan-Verbindungen als perfromant und stabil. Neben den zwei HDMI 2.0 verfügt der Mini-PC auch noch die üblichen Anschlüsse wie LAN und USB 3.1, darunter sogar auch einen USB 3.1 Typ-C Anschluss. Der wird jetzt z.B. in immer mehr Smartphones aber auch Tablets und Laptops verbaut. Auch bei PCs erfreut sich die Sprachsteuerung einer zunehmenden Beliebtheit. Für den Windows Sprachassistenten Cortana erweist sich das frontseitig verbaute Mikrofon als praktisch. Der AW-10 verfügt damit bereits werkseitig die für die Sprachsteuerung notwendigen Voraussetzungen. Windows 10 lässt sich über Cortana mittlerweile recht komfortabel steuern, auch über ein paar Meter Entfernung, und hinterm Fernseher verbaut.

4K bis hin zu 60 Hertz

Der AW-10 unterstützt die 4K (Ultra-HD) Auflösung. Der Orbsmart steuert via HDMI 2.0 Displays mit 3840 x 2160 Pixeln und mit ergonomischen 60 Hz Bildrate an. Falls ein zweiter Monitor zur Verfügung steht, kann dieser als zweite oder zusätzliche Anzeige genutzt werden. Die UHD-600-Grafik enthält Video-Transcoder für H.264, H.265/HEVC und VP9 und sogar 10-Bit-Farbtiefe.

 

Technische Daten Orbsmart AW-10
ASINB07GXNQZ3F
BauartMini PC
HerstellerkürzelAW-10
CPUCeleron (Gemini Lake)
Kerne4
TaktungBurst bis zu: 2.40 GHz, 4MB Cache
Auflösungmax. 2160p @ 60Hz
GrafikIntel® HD Graphics 600 (8th Generation) mit Intel Quick Sync Video, Intel Clear Video HD Technology & Intel® Wireless Display
Arbeitsspeicher4 GB (RAM) (nicht erweiterbar)
Internal Memory32 GB eMMC (nicht erweiterbar)
FestplatteInterne 2.5″ SATA Bay für HDD oder SSD (max. 9.5mm)
SD-SlotSD Kartenslot (SDXC/SDHCbis zu 512GB)
USB 2x USB 3.1 (Gen1), 1x USB 3.1 (Gen1) Typ-C, 2x USB 2.0
NetzteilExtern 12V / 2A Netzteil, lautlos
Wlan802.11.ac (Dualband 2.4/5GHz)
Video2 Ports HDMI 2.0
AudioVia HDMI 2.0 (Onboard 5.1 Audio-Controller) oder 3.5mm Audio-Ausgang (Stereo)
Bluetooth4.0
LANEthernet-Schnittstelle bis 1.000 Mbps
BetriebssystemWindows 10 Home (vorinstalliert Version 1803 / 64-Bit - Multilanguage )
Abmessungen16 x 13,5 x 3,2 cm
Gewicht380g
Preis219 Euro [LINK]

 

Leistung und Performance

In der Bedienung läuft das System sehr schnell. Trotzdem verbieten sich hier Vergleiche mit dicken Desktop-Systemen. Im Vergleich zu den Atom-Tablets oder PCs ist die Performance im realen Einsatz deutlich flotter. So kann man auch im Edge Browser merkbar flüssiger surfen, selbst wenn mehrere YouTube Tabs geöffnet sind. Dieser Mini PCs ist ein perfekt austarierter Kompromiss für Media- oder Office PC. Wer Photoshop und ähnliche Programme sehr intensiv nutzen möchte, sollte etwas mehr Geld in ein flotteres System investieren. Multitasking mit schnellen Wechseln zwischen einer Chrome- und Word-Session klappte sehr gut. Der größter Plus-Punkt der Gemini lake SoCs, der leider oft übersehen wird, ist der sehr geringe Stromverbrauch, der sich meistens unter 5 Watt idle bewegt.  Im Leerlauf brauchte der AW-10 mit externem Netzteil unter Windows 10 rund 3 bis 5 Watt. Unter Volllast mit Prime95 waren es kurzzeitig in der Spitze bis zu 28 Watt. Wir haben keine gravierenden Lags oder Throttling-Effekte unter Windows 10 bemerken können, mit dem viele kompakte oder „Einplatinen“ System sonst typischerweise zu kämpfen haben. Es sind allenfalls rechenhungrige 3-D Spiele und Videobearbeitung die das System in die Knie zwingen.

Ansonsten finden im AW-10 neben schnellem 4 GB LPDDR4-Arbeitsspeicher, 32 GB eMMC-Speicher und eine microSD-Karte zur weiteren Speichererweiterung ihren Platz. Hierfür verfügt der Mini-PC über einen eigenen Kartenleser mit max. 21Mbit/s Lesegeschwindigkeit. Orbsmart hat hier zwar nur non-volatiles eMMC (Embedded Multi Media Card) verbaut. Dieser auf Flash-Speicher basierende Massenspeicher bremst das System geringfügig aus. Schreib- und Lese-Geschwindigkeit deutlich unterhalb einer SSD. Denoch hinterläßt das Gesamtsystem „gefühlt“ einen gut abgestimmten Gesamteindruck. 

Die Bootzeit Windows 10 (Patchlevel 1803) beträgt ungefähr 28 Sekunden.

So erreicht der AW-10 von Orbsmart im Geekbench CPU Benchmarktest einen Score von 1711 Punkten im Single-Core und einen Score von 4719 im Multi-Core. Damit bewegt sich das System im typischen Umfeld von Systemen mit dem Intel Celeron N4100.

 

Geekbench 4 Test – Bildnachweis: TestMagazine

 

Bios

Über die Oberfläche des UEFI-Bios gelangt man bei Bedarf in das BIOS (Aption Setup Utility/American Megtrend). Selbiges ist modern aber einfach gehalten. Für die Zielgruppe ist der Funktionsumfang absolut ausreichend. Taktraten des Prozessors und des Arbeitsspeichers werden automatisch erkannt und lassen sich nicht manuell verändern. Dies gilt auch für die Spannungseinstellungen der Komponenten.

 

Fazit – Ausgereifter Mini PC mit genügend Leistungsreserven

Der passiv gekühlte Mini-PC auf Gemini Lake-Architektur punktet mit stromsparender und geräuschloser Technologie. Zwar erfüllt sie nicht den umfassenden Anspruch eines Allrounder. Dennoch läßt sich der AW-10 von Orbsmart flexibel für viele Anwendungsbereiche einsetzen. Sei es als Thin- und Streaming-Client, Office Computer, Medienzentrale und Digital Signage Player etc. Beeindruckend ist auch die Grafikleistung über die beiden HDMI-Ports bis hin zu 4K in 60 Hertz. Nachteil ist die fehlende Erweiterbarkeit von internem Speicher aber auch des RAM. Viele Nutzer dürften sich an dem Umstand nicht stören. Hier wird ein fertiges System gekauft, dass bis zum Lebensende so genutzt wird. Für aufwendige 3D Games ist die Gemini-Lake-Plattform zu schwach. Ansonsten läuft das System extrem geschmeidig und performant. Zum Surfen, 4K/Full HD Video Streaming und Nutzung von Mediatheken bis hin zu 4K, Office-Standardanwendungen, Multitasking-Aufgaben und ältere bzw. einfache Spieleanwendungen genügt der Mini-PC vollauf. Auch Spotify, Netflix, Youtube stellen kein Problem dar. Selbst im 3D-Modus laufen beliebte Anwendungen wie Google Earth ausreichend geschmeidig. Wer je nach Nutzungshintergrund andere oder höhere Ansprüche an die „Schwuppdizität“ hat, der sollte sich nach einem leistungsstärkeren Rechnermodell umschauen. Den Anschaffungskosten von knapp über 200 Euro steht letztlich ein erstaunlich gutes Preis-/Leistungsverhältnis gegenüber. Zu bedenke ist auch, dass die Kosten für eine Windows 10 Home Lizenz (Original) jeweils 100 Euro betragen und im Preis des Orbsmart AW-10 enthalten sind.

Testurteil: Sehr gut 1,4 – 09/2018

 

Orbsmart AW-10

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